3 Jahre

April 2016 näherte sich mir über Twitter eine Frau an, die mir nachhaltigen emotionalen Schaden zufügen sollte. Ich war im 2. Semester meines Bachelorstudiums und suchte verzweifelt nach Freunden. Ich saß in meinem Auto, nachdem ich die lange Nacht der Computerspiele in Leipzig besucht hatte. Ich war alleine und desillusioniert, weil ich nicht einmal über mein Hobby ein paar länger währende, bedeutende Kontakte herstellen konnte, obwohl sich dort auch ein paar Kommilitonen von mir befanden. Ich wollte gerade den Motor starten und nach Hause fahren, als mein Smartphone sich regte und ich über Twitter eine längere, vorsichtig und bedächtig geschriebene Nachricht erhielt. Irgendjemand fand Interesse an mir. Über Twitter. Ohne mehr von mir zu wissen als was ich so auf einem Kurznachrichtendienst schreibe. Es war ein tröstender Ausgang für einen weiteren frustrierten und einsamen Abend für mich. Es hat nur in einer Katastrophe enden können.

Was folgte war eine Fernbeziehung, die komisch war und nur über ein Jahr ging. Wir telefonierten täglich, aber aus irgend einem Grund bekam ich nie mehr als ein einziges Bild von ihr. Nie mehr als das, um mir einen Eindruck zu machen wie sie aussieht. Ich sprach es oft an, sie fand Ausreden, ich zeigte Verständnis, aber fühlte mich oft übergangen, weil sie durch einen Trick an ein Bild von mir kam und ich nur das kannte, was sie eh öffentlich verbreitete. Es war ihr einfach egal, wie sehr es mich traf, nicht vertrauenswürdig dafür zu sein, nachdem ich so lange alleine war und soviel Angst hatte, irgend etwas falsch zu machen. Jedenfalls fand die Beziehung ein unschönes Ende. Ohne uns vorher je gesehen zu haben teilte sie mir einen Tag vor unserem ersten, lange hinausgezögertem Treffen mit, sich doch nicht auf die einstündige Zugreise begeben zu wollen. In der Folgezeit wurde mir klar, wie oft sie sich widersprüchlich verhielt. Obwohl wir Freunde bleiben wollten war uns das nicht vergönnt. Das ich einfach ersetzt wurde war zu offensichtlich. Die täglichen Anrufe reduzierten sich auf 1x je 2 Wochen. Mit ihren neugewonnenen Freunden auf Discord-Servern verkehrte sie nun stattdessen täglich und vermutlich auch noch heute. Ihr Ton mir gegenüber wurde deutlich feindseliger. Für meine Schwächen, wie meine Vertrauensschwierigkeiten aufgrund jahrelangen Mobbings, erfuhr ich nun deutlich weniger Verständnis. Am deutlichsten ist mir noch in Erinnerung: „Ab Mitte 20 muss man das einfach überwunden haben“. Ihr war es endgültig egal geworden, dass sie mir noch weiter wehtat.

Also zerstritten wir uns, und in Folge dessen verlor ich auch meinen über die Jahre aufgebauten sozialen Kreis auf Twitter. Ich war wieder alleine, nur älter.

Auch dies ist schon wieder mehr als ein Jahr her. Verwunden konnte ich es nie. Nach so langer Zeit kann man wohl sagen: Der Schaden ist entstanden um zu bleiben.

Nach einem Streit, den ich gestern mit Angehörigen ihrer Twitter-Bubble gestern erneut hatte kam das erneut wieder hoch. Mittlerweile hat sie ihren Twitter-Account gelöscht (und sich vermutlich einen Neuen mit Schloss gemacht.) aber aus nostalgischen Gründen habe ich ihren Namen bei Facebook eingegeben, und ihr alter Account kam hoch … mit einem neuem Bild von ihr.

Da habe ich also, was ich wollte. Nach 3 Jahren. Nach vielen Lügen. Nach einem emotionalem Trauma und einer hässlichen Trennung. Ein weiteres Bild von der Person, die ich mal abgöttisch geliebt habe. Mit roten Lippenstift und geröteten Wangen. Eindeutig stärker geschminkt als mir mitteilte, was üblich für sie ist. Eindeutig aufgenommen bei irgendeiner Veranstaltung, in Begleitung mit jemanden der herauseditiert wurde. Ohne das geringste Problem, diesen mit allen zu teilen. Und ich würde lügen würde ich sagen, dass sie abstoßend darauf aussieht.

Sie ist nun so alt wie ich es war, damals, in meinem Auto in Leipzig. Nur das ihr Leben weiterging. Beliebter und mit einem besserem Leben als ich. Und mich nur als einen Fehler betrachtet auf ihrer Sproßleiter von Mann zu Mann. Es ist komisch, aber wenn jemand vom eigenem Leben so abgeschnitten wird, über den man immer noch so häufig nachdenkt, kommt so eine Kleinigkeit wie ein neues Bild auf Facebook als kleiner Schock. Man kann nur vermuten, was in dessen Leben passiert, und in einem einzelnem Bild kann man soviel mehr sehen als nur das, was direkt abgebildet ist. Man hofft, dass es ihnen so schlecht erging wie einem selbst, damit sie eines Tages verstehen können, was sie einem angetan haben. Aber sie blühen stattdessen oftmals eher auf.

3 Jahre.

Eingetauscht (1/2)

Seit ich 8 war hatte ich einen besonderen Freund. Meine Klasse war eine Bilderbuchklasse, wie sie Disney’s „Pausenhof“ nicht besser hätte karrikaturieren können. Es gab die Smarte. Den Klassenclown. Die Schönheit. Die Zwillinge. Den Coolen. Den Fleißigen. Den Sportlichen. Die Große. Die Farbige. Den Schüchternen (ich). Lehrer’s Lieblinge und Verpetzer.

Und auch den Klassenrowdy, der allen das Leben schwer machte. Ich weiß zwar leider nicht mehr wie es geschach, aber in der 3. Klasse freundeten wir uns wirklich und aufrichtig an. Ich war neugierig auf ihn und wohl auch von einer Annahme, ihn „auf den richtigen Weg“ zurückleiten zu können, geleitet. Er hatte keine anderen Freunde und ich fühlte mich nobel, ihn zu „läutern“. Was nicht immer unproblematisch war. Andere Klassenkameraden fragten, warum ich mit ihm herumhing, und ich antwortete so, dass ich ehrlich was, ihn aber auch nicht in ein schlechtes Licht rückte. Ich konnte zumindest manchmal andere über meine Antwort nachdenken sehen, und, so bilde ich es mir zumindest heute noch ein, andere dazu bringen ihn mindestens noch zu tolerieren.

Er war nicht wirklich ein stämmiger, durchtrainierter Rowdy der andere mit seiner Erscheinung alleine einschüchterte. Er nahm anderen nur die Sachen weg und zog an deren Haaren, wen sie sie wiederhaben wollten. Ich musste wohl eine zeitlang sein einziger Freund gewesen sein, denn er kontaktierte mich nach der Schule noch so oft, dass es anfing mich zu nerven, und ich mir Ausreden einfallen ließ, um ihn nicht immer besuchen zu müssen, (oder er mich besuchte).

Nach der Grundschule besuchten wir andere Schulen, und es fiel mir nicht leicht, mich in meine neue Klassengemeinschaft einzuleben. Von Anfang an war es ein Kulturschock für mich, und ich bin noch heute überzeugt in die schlimmste Klasse meines Jahrganges hineingeraten zu sein. Kontakte zu alten Schulfreunden schliefen naturgemäß ein, und neue konnte ich keine finden. Aber zumindest mein alter Schulfreund blieb mir, dem es zweifelsohne besser erging. Unsere Rollen vertauschten sich mehr oder weniger, und ich kann sicher sagen, dass wir zu dieser Zeit beste Freunde waren. Als mein Vater früh verstarb konnte ich mich dank ihm zumindest eine zeitlang ablenken.

Er fand eine Clique, und fing danach an, sich sehr zu verändern. Es war offensichtlich, dass er Zeit mit mir und den anderen sozialen Außenseitern meiner Schule, mit denen ich so abhing, nicht so besonders aufregend fand. Mangel an Alkohol beklagte, und auch unsere alten Hobbys nicht mehr faszinierte. Er hatte einen Freundeskreis cooler Kids gefunden, und dort fühlte er sich wohler. Er fing an, viel Alkohol zu trinken. Dies wurde sein „Schtick“, in der Gruppe, mit dem er als einzigartig herausstach. Er ist nie krankhafter Alkoholiker geworden, aber ich fand es enttäuschend, und ich wusste, dass es der Anfang vom Ende für uns war.

Keine Ahnung, wie „blue pilled“ ich zu der Zeit war, aber mit 16 fand ich Alkoholkonsum in solchen Mengen sehr bedenklich. Ich war kein Raucher, und ich interessierte mich auch nicht für Autos. Bei den kurzen Kontakten, die ich mit seiner Clique hatte, konnte ich mit niemandem warm werden. Mich interessierte „cool“ wirken durch Qualmen, Saufen und Bullshit verzapfen oder machen, um andere zu beeindrucken, einfach nicht. Ich war noch so erzogen worden, genau dies nicht zu tun und brav zu sein, und ich hatte keinen Grund dies für Leute abzulegen, die mich an meine typischen Schulhofmobber erinnerten. Für mich war das eine Gemeinschaft, in der man früher oder später Drogenleichen finden würde. Realgewordenes GZSZ. Ich fühlte mich als etwas Besseres, als die meisten Anwesenden dort, und konnte mich nicht dazu herablassen, so zu sein, wie sie. Ich hätte auch gar nicht gewusst, wie.

#219a

Momentan diskutiert man über die Abschaffung des #219a, was ein Werbeverbot für Schwangerschaftsabbrüche beinhaltet. Angestiftet wurde die Diskussion im Wesentlichen von einer hirntoten, da feministischen, Sprecherin der JuSos, die neben 219a auch Schwangerschaftsabbrüche bis zum 9. Monat legalisieren wollte, begleitet mit nicht wenig Applaus aus dem Publikum. Wohin die SPD geht muss unter Anbetracht ihrer Umfragewerte ja eh nicht weiter diskutiert werden, aber deswegen sind natürlich wieder Diskussionen um Abtreibungen entbrannt, wie sehr Frauen darunter leiden, ungeborenes Leben nicht töten zu dürfen, welche Rolle Männer- und Väterrechte (als ob sich für die noch jemand interessiert) dabei spielen, wie frauenfeindlich es sei, dass Männer hier überhaupt ein Mitspracherecht haben.

Die beste Lösung wäre dabei ganz einfach und simpel: Bis auf medizinische Ausnahmesituationen sind Abtreibungen schlicht und ergreifend verboten.

Für alle die, die nicht gleich getriggert den Browser abschießen um in ihrer Bubble über den Einen da zu abzuragen: Diese Lösung bedient tatsächlich alle Seiten am Besten … außer natürlich den Frauen, aber diesen geht es bei genauer Betrachtung dadurch nicht schlechter als Männer, deren einziges Geburtenkontrollmittel eh das Kondom ist. Wie Männer wären Frauen einzig auf die Zuverlässigkeit ihres Verhütungsmittels angewiesen, um ~20 Jahre Verantwortung zu entgehen. Sie hätten keine Möglichkeit, dieser nach persönlicher Gusto zu entgehen und sind gezwungen, sich um das entstehende Kind zu kümmern. Wie Männer. Und diejenigen, die 100%ig keine Kinder wollen müssen sich dafür eben operativ unfruchtbar machen oder auf Sex komplett verzichten … wie Männer. Und nebenbei dürften die Geburtenraten auch ein wenig angekurbelt werden. Pro-Lifer wären befriedet und Pro-Choicer könnten immer noch einfach komplett auf Sex verzichten („es gibt kein Recht auf Sex, Honey. Tehehe.“). Diskussionen um Mitbestimmungsrechte der Väter bei der Abtreibung wären erschlagen, beide tragen die Verantwortung, ob sie wollen oder nicht, und wenn sich beide einig sind, dass Kind nicht zu wollen, kann es immer noch in ein Heim gegeben werden. Was das Ungleichgewicht einzig auf die 9 Monate Austragungszeit reduziert, wenn es denn doch passiert ist. Stellt sich also nur die Frage, ob man eine Abtreibung körperlich einfacher wegsteckt.

Für die üblichen Verdächtigen kommt dies natürlich trotzdem mittelalterlich vor (im Mittelalter waren nämlich alle Menschen dumm und haben sich ja bei nichts irgendwas gedacht). Ich schätze, weil eine Frau in ihrem „körperlichen Selbstbestimmungsrecht“ eingeschränkt wird. Bei einer Schwangerschaft ist aber nicht nur ihr Körper eingeschränkt, (deren „Freiheit“ eh eingeschränkt ist, wenn mindestens eine Abtreibung vorgenommen werden muss) sondern es gibt noch eine handvoll anderer sozialer Aspekte die damit anherkommen, die bis heute mit „mein Körper, meine Entscheidung“ vom Tisch gewischt werden, als würden sie nicht existieren. Tun sie aber trotzdem, und nur weil sie geleugnet und diffamiert werden, verschwinden sie nicht. Und die entladen sich dann irgendwann später einfach extrem.

Liest eh niemand

Wie immer ist es schwer bis unmöglich, so einen Blog zu schreiben wenn man eh nicht damit rechnet, dass die eigenen Ergüße je von jemanden gelesen werden. Von hohlen Phrasen alâ „Schreiben um des Schreibens willen“ hat sich halt noch nie jemand wirklich motivieren lassen. Aber da das hier mehr als 280 Zeichen zulässt, ist es, denke ich, einfach mal notwendig gewesen, wieder einen Blog zu starten, um meine Gedanken und Empfindungen zumindest mal irgendwo festzuhalten, und sie damit „aus mir raus“ zu kriegen.

Wer mir auf Twitter folgt, und das sind nach meiner Löschung ja nicht mehr viele – dummerweise habe ich mich von einer manipulativen Schlampe dazu breitschlagen lassen, dies „für mich“ zu tun -, der weiß dass ich im Vergleich zu früher sehr viel verbitterter und misantrophischer geworden bin. Das hat auch seinen Grund, denn meine Befürchtungen haben sich einmal mehr bewahrheitet, und mein persönliches „Modell“, wie sich soziale Netzwerke knüpfen, auch.

Letztes Jahre wurde ich sehr übel von einer Frau verladen die ich sehr geliebt hatte und mich über ein Jahr hingehalten hatte, nur um mich tief zu verletzen und mich gegen ihre neugefundene Twitter- und Discord-Clique zu ersetzen. Viele der Bekanntschaften darin, die auch ich mal hatte, haben sich dann natürlich von mir entfremdet und mich allein zurückgelassen, während sich diese notorische Lügnerin großer Beliebtheit erfreut. Und das ist nichtmal das erste Mal, dass mir das passiert ist.

Seitdem hatte ich mit ernstzunehmender Depression und Selbstmordgedanken zu kämpfen. Und mein Vertrauen in andere Menschen wurde einmal mehr erschüttert. Mein Studienabschluss wurde dadurch gefährdet, und der Person, der ich es zu verdanken habe, geht es dafür blendend. Viele können sowas nur als Außenstehende betrachten und beurteilen, aber wenn man es selbst erlebt, ist es ein traumatisierendes Ereignis. Ironischerweise wird sie dabei nun von Männern vor meinen alkoholgetränkten Ausfällen gegen Sie in Schutz genommen, die sich sonst auf die Fahne schreiben, sich besonders aktiv für mentale Gesundheit von Männern einzusetzen. Tja, ob vergeben oder nicht, für ein hübsches Gesicht werfen die meisten Männer ihre Prinzipien sofort über Bord. Die, die es nicht tun, werden von dieser ehemals aus der Anti-feministischen Szene emporgestiegenen Bubble bedenkenlos gemobbt, und deren bereits zerrütete geistige Verfassung weiter in den Dreck getreten, weil sie sich dabei ja selbst ganz wunderbar fühlen können.

Ich bin enttäuscht. Ich hatte wirklich den Eindruck, mal irgendwo halwegs gut reingepasst zu haben. Aber wenn Frauen reinkommen, gehen Männer immer sofort gegenseitig aufeinander los, um doch den größten Ritter in strahlender Rüstung zu markieren. Könnte ja eine Vagina für einen abfallen. Und wenn nicht, dann doch mindestens ganz, ganz doll viel Bewunderung. Die ehemals vielversprechende MRA-Szene auf Twitter ist damit ganz offiziell tot, weil sie nun wieder die alten Werte vom Manne, der immer schützen und leisten und gesund sein muss herstellt, um eines Blickes gewürdigt zu werden.

Nunja. Wenigstens war ich nicht der bedauerliche Kerl der jahrelang ihre Schulden bezahlte, nur um von Ihr betrogen zu werden. Wenn er sie zurückgenommen tut es mir leid für ihn, denn dann hat sie ganz offensichtlich einmal mehr ihre manipulative Natur an ihm ausgelebt, und er ist leider darauf reingefallen. Zumindest öffentliches Flirten auf Twitter scheint ihr, trotz ihres „vergebenen“ Status ja nicht unangebracht vorzukommen. Bestimmt, weil das ja so gut für die „mentale Gesundheit“ ihres neuen, oder alten, Freundes ist.

10_12_2018_Claire_flirtet
Tweets von ihr leider nicht lesbar, da sie Nicht-Follower blockt.